@ 2016 by Markus Koeck

 

Marokko 2014

 

Unsere lang geplante Reise nach Marokko sollte Anfang November 2014 endlich Realität werden. Wir werden rund 4 Wochen das afrikanische Land bereisen. Zu uns gesellen sich noch Ines und Dundee, mit deren Land Rover Defender. Die Fahrzeuge sind als Reisemobile fürs grobe aufgebaut und sollten einmal den Härtetest auf afrikanischen Pisten bestehen. Na dann schauen wir mal ...

1/136
Tag 1 - Abreise

 

Wir fahren nach einem ausgiebigen Frühstück bei Ingrid los Richtung Innsbruck. Wir wollen uns am Abend mit Ines und Dundee, unseren Mitreisenden, südlich des Gardasees an einem Wohnmobilstellplatz treffen. Angekommen suchen wir eine Pizzeria und werden fündig. Später am Abend kommen die beiden dann nach langer Anfahrt aus Köln am Treffpunkt an.

Tag 2 - am Weg zur Fähre

 

Wir starten in der Früh den direkten Weg über Landstraßen und kleine Gemeindestraßen Richtung Cremona, wo wir uns nochmal für die Fähre mit Lebensmitteln eindecken. Weiter geht es über die italienische Autobahn nach Genua, wo wir nach etwas suchen den Fähranleger finden. Es gießt in strömen und so verbringen wir die Wartezeit in einem netten Kaffee. Am Abend, rechtzeitig zur Abfahrt, wird das Wetter wieder besser und wir checken in unseren Kabinen ein, nachdem wir die Autos verstaut haben. Schicke kleine Kabinen mit eigener Dusche und WC. Das gönnen wir uns für eine 2-tägige Überfahrt. Die Fähre ist nicht sehr voll, vor allem Marokkaner sind an Bord. Deren Autos sind oft schwer und „interessant“ beladen. Neben uns sind auch noch Daniel, ein Schweizer mit KTM, zwei weitere Motorradfahrer aus Slowenien sowie Willi und Eva aus Steyr an Board. Willi und Eva kommen gerade aus Asien und sind am Weg in Marokko zu überwintern. Die See ist nicht gerade ruhig.

Tag 3 - Fähre Genua nach Tanger

 

Erster Tag auf See. Wir kommen nachmittags in Barcelona an, wo noch Fahrzeuge und Passagiere aufgenommen werden. Wenige verlassen dort die Fähre. Die See ist ruhiger geworden und das Wetter hat sich gebessert.

Tag 4 - Ankunft in Marokko

 

Ankunft abends in Tanger. Der Tag war lang aber sehr ruhig. Daniel zeigte uns tolle Impressionen von Island. Das wär doch was für die nächste Tour ...

Als wir das Schiff verlassen erleben wir Afrika sofort hautnah. Ein Iveco-Kleinlaster rast ohne Motor, Licht und Bremse aus dem oberen Deck auf den Kai und kracht in den Lastwagen vor ihm. Nur Blechschaden, aber das hätte gut anfangen können, wir waren genau daneben.

 

Die Zollformalitäten ziehen sich ein bisschen, das war zu erwarten. Dass die Organisation etwas chaotisch ist, darauf hatten wir uns eingestellt und Recht bekommen. Wir kamen dann aber schließlich ohne irgend welche Problem aus dem Hafen und steuerten gleich unseren ersten Campingplatz in der Nähe von Tetuan an. Die Strecke dahin war sehr interessant, da die Straße unwirklich erschien. 4-spurig, mit grünem Seitenstreifen und extrabreitem Fußgängerweg, hell erleuchtet und top-gepflegt. Wir hatten anderes erwartet und wurden positiv überrascht.

 

Der „Camping Municipal“ war OK, die Sanitäreinrichtung „afrikanischer Standard“.

Tag 5 - Rif-Gebirge

 

Wir wollen nach Chefchouen im Rif-Gebirge, eine Stadt die für ihre blau bemalten Häuser bekannt ist. Dundee hat eine Offroadstrecke in der Nähe gefunden und dahin wollten wir auch ein bisschen über Pisten unterwegs sein. Deshalb fuhren wir nach einigen Kilometern Küstenstraße rechts weg in die Berge. Die anfänglich gut geschotterte breite Straße war relativ jäh zu Ende und wir fanden uns auf einer ausgewaschenen Piste wider.

 

Das war auch ein Grund, warum wir nach Marokko gekommen sind.

 

Die Landschaft erinnerte uns ein bisschen an das südliche Albanien. Weit abgelegene Dörfer mit mehr oder weniger Infrastruktur, sehr ländlich und abgeschieden. Sanfte Hügel und schöne Tallandschaften. Wir machten erste Erfahrungen mit den Jugendlichen.

 

Ein paar wollten einen Teil der Stecke mitfahren und sprangen auf die Heckleitern und Kisten auf, stellten sich auf die Stoßstangen und Wagenheber und hielten sich auch am Dachträger fest. Einige Zeit ließen wir das gewähren. Als es steiler wurde war uns das jedoch für die Kinder zu gefährlich und ich bat einen entgegenkommenden Einheimischen den Kindern dies klar zu machen, was auch prima funktionierte.

 

Nach einigen anfänglichen Navigationsschwierigkeiten (die eingezeichneten Wege waren nicht da und die, die da waren, waren nicht eingezeichnet) fanden wir die Piste die wir fahren wollten. Wir unterschätzten den schlechten Zustand der Pisten ein wenig, was uns dann so gegen Nachmittag zu der Entscheidung zwang, irgendwo im Rif-Gebirge zu übernachten, oder in die Dunkelheit hinein zu fahren, um bis zum Campingplatz in Chefchauen zu kommen. Wir entschieden uns für zweites.

 

Als es finster wurde kam auch noch Nebel hinzu, wodurch wir nicht das volle Licht aufdrehen konnten. Irgendwie schafften wir es über steile Serpentinen in der Nacht in tieferes Terrain zu kommen, wo der Nebel sich verzogen hatte. Alles Licht an.

 

Schon unglaublich was so eine Lightbar mit 180 Watt LEDs bringt. Wären Vögel auf der Strecke gewesen, sie hätten angefangen zu brüten ... Spät und ziemlich gerädert kamen wir dann abends in Chefchauen am Campingplatz an. Es ist wirklich kalt, weshalb wir uns nach dem essen gleich in die Autos zurückziehen.

Tag 6 - von Chefchauen nach Fes

 

Heute wollen wir uns vormittags Chefchauen ansehen und dann Richtung Fes weiterfahren. Die Stadt erreicht man vom Campingplatz zu Fuß in gut 15 min.

 

Vorbei an ein paar zwielichtigen Gestalten, die einem ohne zu zögern Hasch anbieten. Das Rif-Gebirge und vor allem die Stadt Chefchauen sind berühmt berüchtigt für den Anbau und den Handel mit Cannabis-Produkten. Wir lehnen dankend ab und werden dann aber auch nicht mehr belästigt.

 

Die Medina, also die Altstadt, von Chefchauen ist wirklich schön. Blau bemalte Häuser in engen Gassen, Händler und Handwerker überall. Wir sind im Maghreb angekommen. Nach einer kleinen Fotosafari machen wir uns auf den Weg nach Fes.

 

Aber wir können doch nicht die Hauptstraße nehmen, wäre ja zu einfach. Deshalb biegen wir nach einigen Kilometern auf eine Straße ab, die uns an den Stausee al Wadha bringen soll. Wäre ja auch schön am Stausee zu übernachten. Julia ließt aus dem Reiseführer von Därr (wirklich zu empfehlen !) vor und meint, die Straße hätte ausgefranste Seitenränder. Ja so ungefähr stimmte das auch, wobei uns nicht klar war, wie ausgefranst. Teilweise war gar kein Teer mehr vorhanden. Dort wo er vorhanden war, war er so löchrig, dass wir langsamer als auf so mancher Piste vorwärts kamen. Als wir den sehr imposanten Stausee erreichten wussten wir gleich, dass es hier keine Übernachtungsmöglichkeit gibt. Militär ringsum.

 

Deshalb fuhren wir durch fruchtbare Täler zügig weiter Richtung Fes, wo wir genau zur Rush-Hour ankamen. Durch 2 Motorrad Guides wurden wir durch das Verkehrsgewirr zu einem Campingplatz gebracht. Wir wollten ursprünglich einen anderen, war dann aber auch egal. Der Motoradfahrer organisierte uns einen deutschsprachigen Guide und ein Fahrzeug für den nächsten Tag, damit wir uns die Stadt ansehen konnten.

Tag 7 - Fes

 

Das wir einen Guide samt Wagen und Fahrer gleich am Vortag organisiert haben, stellt sich als sehr positiv heraus.

 

Samira spricht sehr gut deutsch und zeigt uns die Stadt. Zuerst fahren wir auf einen Aussichtspunkt ein wenig außerhalb um nochmals einen Überblick zu bekommen, bevor es in die verwinkelte Medina und die Souks der Stadt geht. Durch enge, teils überdachte Gassen schlendern wir vorbei an Werkstätten und Verkaufsläden durch die Souks, wo wir natürlich auch einen Abstecher zu den Gerbern und Färbern machen. Die Minze die wir dort bekommen hilft ein wenig über den Gestank hinweg.

 

Samira bringt uns, wie zu erwarten, auch in einige Läden, die so manches feil bieten. Von Töpferwaren und Mosaikbrunnen, über Lederwaren, Teppiche, Heilmittel und Gewürze bis zu edlen Stoffen. Dafür sind wir aber die falsche Klientel. Na, ja nicht ganz. Julia und ich werden beim Teppichhändler schwach, bietet er uns nach einigen Versuchen doch einen Agaven-Seiden-Teppich an, der sowohl von der Größe als auch farblich perfekt in den Defender passt. Julia verhandelt, und da der Muezzin bereits gerufen hat, hat es auch der Verkäufer eilig. Das nutzen wir, und so ist das Feilschen nach 2 Runden vorbei und wir sind stolze Besitzer eines marokkanischen Teppichs.

 

Am Abend kommen wir voll Eindrücken zurück zum Platz, wo wir die Geräuschkulisse der Stadt trotzdem nicht loswerden. Heute ist sogar ein Fußballspiel im benachbarten Stadion. Da ist halt was los ...

Tag 8 - Regen und Schnee über den Atlas

 

Ich habe Geburtstag. Ich bekomme eine Sonnenbrille geschenkt, die ich erst mal nicht nutzen kann.

 

Es regnet und das in strömen. Was meine Samira gestern noch? Man hätte in der großen Moschee vor ein paar Tagen um Regen gebetet? Danke nochmals dafür!

 

Noch dazu haben wir an der Hecktür einen Wassereinbruch was meine Stimmung auch nicht gerade hebt. Deshalb fahren wir ohne richtiges Frühstück gleich nach Süden los. Wir wollen nach Azrou wo es einen schönen Zedernwald geben sollte, wo auch Berber-Affen anzutreffen sind. Als wir nach Azrou kommen werden die Regentropfen immer schwerer, bis es schließlich zu schneien beginnt.

 

Jetzt bin ich extra aus Europa weggefahren, damit ich meinen Geburtstag in der Wärme Afrikas verbringen kann und dann das.

 

Na was soll’s. Die Fahrt über den Pass hinter Azrou nach Middelt wird jetzt spannend. Überall sehen wir bereits Schranken die bei Schnee geschlossen werden, das kann ja heiter werden. Wir fahren also hoch und finden uns in einer Winterlandschaft wieder. Der Schneefall ist gottseidank nicht so stark, dass die Fahrt eingeschränkt wäre (die Marokkaner haben bestimmt keine Winterreifen und meine MTs sind auch nicht das non-plus-ultra im Schnee).

 

Vorbei an der Bergbausiedlung Middelt geht es nach Errachida, wo es aufhört zu regnen. Also gleich mal das Geschenk rausholen und freuen. Wir fahren einige Kilometer südlich in das Ziz-Tal. Eine Oasenlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Kommt man von Errachida ist man auf einem Hochplateau, in das sich der Fluss Ziz eingegraben hat.

 

Die Palmengärten die in dem Tal angelegt wurden sind unglaublich schön. Am zweiten Campingplatz (vom ersten flüchten wir gleich wieder, da sind zu viele Wohnmobile mit deutschen und österreichischen Kennzeichen und auch die Sanitäranlagen sind dürftig) finden wir ein perfektes Nachtlager. Wir werden sofort zu Minz-Tee eingeladen. Der Platz ist äußerst gepflegt und schön in den Oasengärten gelegen.

 

Dundee macht zur Feier des Tages noch Couscous und wir stoßen auf den Geburtstag an. Was für ein Tag.

Tag 9 - Wüstenpiste der Grenze entlang

 

Wir wollen nach Merzouga am Erg Chebbi, einen der zwei großen Sandwüsten Marokkos (Erg=Sandwüste). Natürlich nicht über die gut ausgebaute Nationalstraße, sondern wir wollen über Pisten da runter. Deshalb geht es erst mal weiter Richtung osten nach Boudnib, zum Einstiegspunkt der uns bekannten Route.

 

Nach anfänglicher Sucher der richtigen Piste (es gehen ziemlich viele Spuren durch die flache Landschaft) und einer lustigen Fahrt im Qued, geht es über eine riesige Hochebene mit Steinwüste durch die Landschaft.

 

Die Algerische Grenze ist teilweise nur wenige Kilometer weg, was und zunächst ein bisschen mulmiges Gefühl verleiht. Das ist aber beim Anblick dieser unglaublichen Landschaft schnell verflogen. Als wir näher an eine Bergflanke kommen, wird die Piste immer schlechter. Aus dem anfänglichen Steinwüsten-Geholper wird eine Verschränkungsorgie. Jetzt wissen wir, dass wir mit den richtigen Fahrzeugen unterwegs sind.

 

Am Ende dieser Passage sind 2 Schlüsselstellen die Kopfzerbrechen machen. Die erste ist eine Steilauffahrt durch loses Material, ziemlich ausgewaschen mit einer Felsstufe am Ende. Wir schaffen das jedoch ohne Probleme. Die zweite Schlüsselstelle ist eine Steilabfahrt, ausgewaschen, lose, und lang mit einer Kurve so ziemlich in der Mitte. Jeder der so was schon mal im Offroadpark gefahren ist, bei dem schlägt der Puls schneller. Hier sind wir aber auf uns allein gestellt. Außer dem Berber mit dem Motorrad den wir vor einer Stunde getroffen und Benzin fürs Motorrad gegeben haben, treffen wir an diesem Tag auf der Piste niemanden und sind ca. 50 km vom nächsten Ort entfernt. Aber auch die Steilabfahrt geht mit ziemlich erhöhtem Puls und guter Konzentration problemlos.

 

Die Piste wird etwas besser weil schneller. Der Tag neigt sich aber schön langsam dem Ende zu. Um 17:30 geht die Sonne unter und spätestens 30 Minuten später ist es stockdunkel. Wir haben wieder 2 Optionen. Gleich stehen bleiben, oder die Engstelle zur Algerischen Grenze erst noch ausfahren und am Weg danach zu übernachten. Da es super vorangeht entschließen wir uns für zweites. An der besagten Engstelle werden wir vom marokkanischen Militär aufgehalten. Sie wollen wissen was wir hier machen und wohin wir wollen. Nachdem Sie die Infos und unsere Fiches (Datenblätter mit Personal und KFZ-Daten) bekommen haben winken sie uns freundlich weiter.

 

Die Steilabfahrt fahren wir hinab und dann noch etwas weg von der Grenze. Wir finden einen schönen Palmenhain und es wird auch schon dunkel. Wir wollen da bleiben. Als wir unsere Autos geparkt haben sehen wir jemanden mit Taschenlampe auf uns zu kommen. Es ist ein Soldat der am anderen Ende des Palmenhais seinen Posten hat und uns gesehen hat. Er fragt ob wir hier schlafen wollen, was wir bejahen. Er freut sich und meint er sei heute unser „persönliche Aufpasser“. Auch nicht schlecht.

 

Da Hassans Versorgungs-LKW irgendwie nicht gekommen ist, versorgen wir ihn noch mit Brot, Tee und Thunfischdosen. Es wird eine ruhige Nacht unter prächtigem Sternenhimmel.

Tag 10 - Kameltour am Erg Chebbi

 

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Erg-Chebbi, den wir noch vormittags erreichen. Wir fahren zum „Petit Prince“ einer Auberge mit Campingmöglichkeit, die uns der nette Platzwart vom Ziz-Tal empfohlen hatte.

 

Der sehr nette Gastgeber organisiert für uns eine Tour mit Kamelen zum Sonnenuntergang in den Erg hinein und auch ein traditionelle Abendessen für nach unserer Rückkehr. Wir verbringen den Tag damit uns und unsere Wäsche zu waschen und die Ausrüstung durchzusehen. Erstaunlich wie leidensfähig unsere Fahrzeuge sind.

 

Die Kameltour ist natürlich reine Touri-Sache, gehört aber einfach dazu, finden wir. Ines kann sich mit dem Geschaukel nicht so recht anfreunden, vor allem abwärts ist es ihr nicht so geheuer. Da ist es super, dass unser Führer uns am Fuße einer großen Düne absteigen lässt und wir diese alleine erklimmen.

 

Es ist schon ein gewaltiger Anblick von da oben. Einige Quad und Mototrad-Freaks fahren ebenfalls zu uns hoch. Man sieht von da oben, dass es gar nicht so weit ans Ostende des Erg ist.

 

Sollten wir morgen mit den Autos da durch? Heute machen wir uns erst mal auf den Rückweg zur Kasbah und bekommen ein Super Menü mit Harira, einer traditionellen Gemüsesuppe, einem traditionellen Fleischgericht mit Eiern oben drauf und Früchten als Nachtisch. Lecker.

Tag 11 - Sand spielen

 

Wir fahren „etwas“ in den Erg hinein zum sandspielen. Als wir bereits nach den ersten Dünen merken, dass wir nur schwer den Weg finden und ich bei einer Bergungsaktion von Dundee selbst fast umkippe, beschließen wir den Guide, der mit seinem Moped schon seit einiger Zeit neben uns herfährt und wartet bis wir ihn doch brauchen, zu engagieren uns durch den Erg zu bringen.

 

Den vereinbarten Fixbetrag hat er sich redlich verdient, da das navigieren durch die Dünen nicht einfach ist, und jeder von uns nochmals geborgen werden muss. Ich kippe beinahe ein zweites mal um, als ich an einer Düne zu früh das Gas weg nehme, und Dundee fährt sich, weil der mich geborgen hat, selbst so fest, dass wir einige Zeit benötigen um ihn in kleinen Schritten mit Einsatz von Sandblechen, Airjack und beiden Winden da wieder raus bekommen.

 

Da es noch sehr früh am Tag ist als wir in Taouz am Südende des Erg ankommen, beschließen wir gleich weiter nach Westen zu fahren. Der Besitzer des „Petit Prince“ hat uns ebenfalls eine Empfehlung für einen Campingplatz mitgegeben. Da dies bisher so gut funktioniert hat, versuchen wir es gleich nochmals.

 

Die Piste ist ganz gut zu fahren und führt durch die unterschiedlichsten Landschaftsformen. Der letzte Teil zum Camp ist ein 5km breites Qued an dessen Ostseite wir entlangfahren. Von einigen Einheimischen und auch aus Reiseberichte wissen wir, dass in dem Qued einige Fesch-Fesch-Felder (mehlartiger, bodenloser Weichsand) liegen. Das kann ja lustig werden.

 

Heute kommen wir jedoch ohne solche Abschnitte an der Kasbah an. Die ist aber verschlossen. Super. Wir stellen uns schon auf eine Nacht VOR der Kasbah ein, als ein Moped anrollt. Ein sehr netter, gut gebildeter und äußerst freundlicher Besitzer der Kasbah sperrt uns auf und wir können rein. Er lässt uns auch in einem der Zimmer die er sonst vermietet duschen und das WC benutzen. Alles bestens gepflegt.

 

Am Abend komme ich über die Sternen-App unseres Tabletts und die Sternbilder die wir an diesem grandiosen Sternenhimmel finden ins Gespräch mit unserem Hausherren. Er bestätigt, was wir bereits im laufe der letzten Tagen erahnt hatten. Heuer bleiben die Gäste komplett aus. Ein Rückgang von über 80% in ganz Marokko.

 

Mitverantwortlich für diesen Rückgang ist die Ermordung des Franzosen im benachbarten Algerien und die darauf folgende Panikmache in den Medien, sowie die darauffolgende Bewertung Marokkos der zuständigen Stellen in den europäischen Ländern (Reisehinweise und Warnungen für die Region).

 

Für solche Kleinunternehmer kann das den Ruin bedeuten, was wir als ziemlich schade empfinden. Wir haben uns zu jeder Zeit sehr sicher und willkommen gefühlt, wurden von den Einheimischen und allen offiziellen, sei es Militär oder Polizei immer vorbildlich behandelt. Man kann für diese Menschen nur hoffen, dass dies ein kurzer Einschnitt ist und sich wieder mehr Touristen in die Gegend trauen.

Tag 12 - Piste nach Zagora

 

Heute geht es durch die Weichsandfelder. Unser Hausherr gibt uns noch einen Vorschlag für die Beste Route mit, den wir gerne annehmen.

 

Das Fahren im Weichsand ist sehr Leistungsfordernd, aber wir kommen problemlos voran.

 

Wir hatten bereits am Morgen Mohammed Gordito getroffen, einem Mechaniker aus Zagora, wo wir sowieso hin wollten. Mohammed geht ein super Ruf voraus. Selbst Land Rover Defender Fahrer (echt kultiger 200er Tdi) ist er als der beste Mechaniker im Umkreis bekannt. Die Info hat sich sogar bereits nach Deutschland und Österreich verbreitet.

 

Wir fahren die Piste nach Zagora, teilweise in Begleitung unseres Mechanikers. Dundee wollte sowieso zu ihm, da ihm bei einer Aktion im Erg gestern der Endtopf abgefallen ist. Nach einigen Hochgeschwindigkeitspassagen auf der Piste (wirklich coole Sache mit mehr als 70 km/h über die Piste zu fliegen) erreichen wir dann Zagora und die Werkstatt von Mohammed.

 

Bei der Inspektion von Dundees Wagen entdeckt der Mechaniker auch gleich einen undichten Simmering am Swievel, der ebenfalls gleich getauscht wird. Bei meinem Landy werden nochmals die Airbox gereinigt, alle Öle durchgesehen und die gesamten Fahrwerksschrauben nachgezogen. Den verlorenen Bolzen der Hecktür kann ich noch selbst ersetzen. Die ganze Aktion kostet mich umgerechnet 3 Euro - Irre.

 

Mohammeds Bruder zeigt uns noch günstige Einkaufsmöglichkeiten und bringt uns zum Campingplatz.

Tag 13 - Erg Chegaga und Lac Iriqui

 

Es geht weiter über M’hamid an den Erg-Chegaga, dem zweiten großen Erg in Marokko.

 

Wir fahren am Nordende des Ergs durch teilweise dicht grün bewachsene Sandfelder, echt beeindruckend. Als wir nach einigen Kilometern aus diesen Sandpassagen draußen sind erreichen wir den Lac Iriqui.

 

Ein ausgetrockneter See, der eine vollkommen ebene Fläche bildet. Es wird wieder geheizt was die Wagen hergeben. Die Kasbahs mit Cafés am Rand unserer Route sind verlassen. Keine Touristen weit und breit. Wir sind wieder einmal alleine unterwegs, außer ein paar Eseln und Kamelen die am See herumstehen oder auf der Piste liegen.

 

Die Weiterfahrt nach Foum Zguid ist etwas beschwerlich, da Wellblechpiste gepaart mit großen Steinen.

 

Wir reißen einen Kontrollposten aus seinem Mittagsschlaf, nach Kontrolle unserer Papiere öffnet er uns den Schlagbaum. Der Campingplatz in Foum Zguid ist einfach aber OK.

Tag 14 - Flussoasen im Antiatlas

 

Von Foum Zguid geht es auf der Teerstraße weiter Richtung Westen.

 

Wir wollen in den Antiatlas und die Schluchten rund um Ait Mansour. Gleich auf den ersten Kilometern hält uns ein PKW-Fahrer auf. Wie sich herausstellte war ihm gerade der Diesel ausgegangen. Er war bereits seit gestern von Laayoune in der Westsahara unterwegs. Eine gewaltige Tour - Respekt. Wir helfen also mit Diesel aus, entlüften noch den Motor und machen den armen Kerl wieder mobil.

 

Wir peilen einen Campingplatz an, der sowohl in unseren Unterlagen vorhanden ist, als auch von einem Einheimischen bestätigt wird, der 30km davor die letzte mögliche Tankstelle vor dem Antiatlas besitzt.

 

Als wir dann dort ankommen, ist großes Staunen angesagt. Die Gité ist in einem Ort, wo keine Autos reinkönnen, aber wir könnten unser Lager direkt an der Straße aufschlagen, es sei sicher, wurde uns mitgeteilt.

 

Wir entschieden doch ein Stück weiter zu fahren und fanden ein schönes, nicht einsichtiges Plätzchen in den Bergen. Ein bisschen frisch war es dann auf 1300 Metern Seehöhe schon.

Tag 15 - an den Atlantik nach Sidi Ifni

 

Wir fahren durch grandiose Flussoasen des Tals rund um Ait Mansour und schlagen gegen Nachmittag wieder West Kurs ein. Vorbei geht es an den berühmten bemalten Felsen. Hier hat sich ein belgischer Künstler verewigt. Von den möglichen Pisten, wählen wir die, die direkt neben diesen Felsen entlang führt. Sie weißt ein paar kniffelige Stellen auf, die wir aber bravorös meistern. Die Weiterfahrt ist landschaftlich sehr schön und ruhig.

 

Unser Tagesziel heißt Sidi Ifni am Atlantik.

 

Der Ort und auch die Campingplätze sind nicht die gewünschte Offenbarung aber zweckmäßig. Wir können relativ gut stehen und uns wieder mit dem nötigsten versorgen. Die lokalen Grundnahrungsmittel sind wirklich überall in Marokko ziemlich günstig.

 

Südlich des Atlas gibt es jedoch keine großen Märkte mehr. Man ist auf kleine Händler und Markttage angewiesen, was sich aber als sehr nett erweist. Man kommt als Europäer, der alles jederzeit im Überfluss kaufen kann und ist gezwungen sich zu bescheiden und regionale, saisonale Waren zu kaufen. Wieder mal eine schöne Erfahrung.

Tag 16 - Kakteen und Wracks

 

Wir fahren die „Kaktusrunde“. Eine sehr schöne Piste, die in dem bergigen Küstenbereich südlich von Sidi Ifni sich erstreckt. Unser Ziel sind die beiden Wracks die südlich der Stad liegen (sollen). Wir werden nicht fündig. Trotz einiger Passagen die wieder den Charakter „Offroad-Park“ haben, haben wir kein Glück. Vielleicht liegt es an der mangelnden Zeit die wir uns für die Suche nehmen, oder einfach daran, dass gerade Flut ist. So beschließen wir weiter Richtung Norden zu fahren, uns die bekannten Felsformationen von Sidi Ifni anzuschauen, die wir auch finden, und dann weiter Richtung Norden an einen Campingplatz auf halben Weg nach Agadir. Ein sehr adretter Platz, perfekt für Wohnmobile, nur eben sehr gering besucht.

Tag 17 - Luxuscamping

 

Ziel: Marrakesch. Wir legen heute einen reinen Fahrtag ein und schlagen uns an der Nationalstraße nach Agadir und dann auf der Autobahn nach Marrakesch durch. Wir müssen wieder mal durch eine große Stadt durch. Diesmal ohne Motorrad-Guides, wollen wir zu einem Campingplatz auf der Ausfallstraße Richtung Quazzazate, die Richtung in die wir später weiterfahren wollen. Als wir fast die Koordinaten am GPS erreicht haben beschleicht uns der verdacht hier falsch zu sein. Herunter gekommene Vororte schlechte Zufahrtsstraßen. Kann das richtig sein? Und wie.

 

Nachdem sich ein ca. 4 Meter hohes automatisches Tor öffnet bietet sich vor uns eine vollkommen andere Welt. Der schönste Campingplatz den wir bekommen konnten. Mit riesigem Pool, Golf-Putting-Anlage, eigenem Gemüsegarten, Hühnern und Hasen, mit nachgebauten Beduinenzelten die man sich mieten kann, und einem schicken Restaurant. Wir sind die einzigen Gäste. Wir organisieren bei der Patronin noch ein Abendessen (Tajine mit Huhn) und ein Auto für Morgen, das uns in die Stadt bringen soll.

Tag 18 - Marrakesch

 

Heute besuchen wir Marrakesch. Der Fahrer lässt uns am zentralen Platz vor der Kotoiba-Mosche direkt beim Jamna-el-fna raus. Der Platz ist das Zentrum der Stadt und dort spielt sich vor allem am Abend ziemlich viel ab. Wir sind schon gespannt. Angesprochen von einem Guide nehmen wir dessen Dienste in Anspruch und lassen uns die nördlich des Platzes gelegene Souks zeigen. Sie sind bei weitem nicht so authentisch wie in Fes. Es wird viel „Touristen-Ware“ angeboten.

 

Den weiteren Tag verbringen wir ohne Guide und lassen uns südlich des Platzes treiben. Im Mellah (Juden) Viertel, an einigen Palästen vorbei, durch authentische Souks kommen wir gegen Abend wieder an den Platz, wo bereits die ersten Garküchen ihre Stände aufbauen. Wir organisieren uns einen Tisch an einer Terrasse über dem Platz und schauen für einige Zeit dem Treiben zu. Bunt gekleidete Wasserträger offerieren ihre Dienste - sie wollen fotografiert werden und verlangen dafür Geld, Schausteller mit Berber-Affen oder Kobras, lassen Fotos von sich machen, gegen Geld versteht sich. Frauen suchen Opfer um ihre Henna-Künste anzubieten. Es versucht Geld zu machen, wie am Markusplatz in Venedig.

 

Nachdem wir uns frischgepressten Orangensaft genehmigt haben uns mit Datteln und Mandeln eingedeckt haben, suchen wir uns später noch einen Platz in den Gar Buden, wo wir sehr gutes aber ziemlich teures Essen bekommen. Abends holt uns der Fahrer wieder ab und bringt uns in die Anlage.

Tag 19 - Hoher Atlas

 

Wir wollen weiter nach Süden, über den Hohen Atlas nach Quazazate und anschließend in die bekannten Schluchten von Thodra und Dades. Dazu nehmen wir den berühmten Pass Tiz’n’Tikka. Eine abenteuerliche Asphaltstraße mit viel Schwerverkehr und vielen Kurven am Abgrund entlang. Am Weg versorgen wir uns noch an einer Kooperative mit Argan-Öl und Honig und bekommen leckeres Brot geschenkt.

 

Gleich hinter dem Pass biegen wir von der Hauptroute ab und fahren über den Ort Teluet nach Süden. Bis vor einigen Jahren noch eine Offroadpiste ist jetzt nahezu alles asphaltiert, nur ein kurzes Stück ist noch geschottert, aber für PKW zu meistern. Wir besichtigen die berühmte, sehenswerte, teilweise bereits verfallene Kasbah des Berberfürsten Glaoui und versorgen uns am lokalen Markt.

 

Wir fahren weiter und besichtigen noch das berühmte und von vielen Filmen als Kulisse verwendete Kasbahdorf Ait Benhaddu. Die Nähe zur Filmstadt Quazazate und die Authentizität der Anlage, so wie die Lage am Fuß des hohen Atlas sind für Filme sicher ideal.

 

Wir übernachten an einem Campingplatz vor Quazazate.

Tag 20 - Wasser

 

Wir wollen heute die Straße der Kasbahs von Quazazate nach Tenehir fahren, aber das Wetter ist nicht auf unserer Seite. Es regnet sehr viel und so macht es keinen Spaß Abstecher in die Kasbahs zu machen.

 

Dafür kommen wir relativ früh in Tenehier an. Als wir die Brücke der Thodra erreichen, wo es links in die Schlucht hineingeht ist ein ziemlicher Menschenauflauf sichtbar. Der Fluss führt extrem viel Wasser. Vom örtlichen Mechaniker erfahren wir, dass die Schlucht ca. 10km weiter im Norden gesperrt ist. Ein 4x4 aus Marrakesch kommend sei dort oben in den Fluss abgerutscht.

 

Wir entscheiden uns in einem Kaffee abzuwarten und unsere Möglichkeiten auszuloten. Als wir neuerlich an der Brücke ankommen ist die Strecke in die Schlucht bereits von der Polizei abgesperrt. Wir wählen als Alternative die Weiterfahrt nach Süd-Osten, da das Wetter die nächsten Tage nicht besser werden sollte.

 

Also auf nach Erfoud. Nach der Abzweigung von der Nationalstraße nach Süden erreichen wir bereits die ersten Furten, die überflutet sind. Mit unseren Gefährten macht das Spaß, wir fotografieren und filmen uns gegenseitig.

 

Je später der Tag wird, und je weiter südlich wir kommen, desto mehr Wasser ist auf der Straße. Bis wir an einer sehr breiten Furt knapp vor Alnif zweimal überlegen durchzufahren. Unter grölendem Jubel der Wartenden auf beiden Seiten des Flusses, ein durchkommen mit dem PKW war nicht mehr möglich, durchquerten wir diese jedoch nahezu problemlos.

 

Tiefer sollte es jedoch wirklich nicht mehr werden. Wir fuhren durch den Ort und wollten Richtung Osten gleich wieder raus. Wieder viele Autos vor einer Furt. Wir schauten genau, waren uns jedoch nicht sicher. So ziemlich am anderen Ende der Furt, war die Strömung ungleichmäßig, als ob etwas in der Fahrbahn drinnen liegt, oder ein Teil davon eingebrochen ist. Wir entschieden nicht weiter zu fahren.

 

Die Durchsicht unserer Reiseliteratur brachte einige Campingplätze westlich der Stadt zum Vorschein, also dann dahin. Da das Wetter immer schlechter wurde und die Furten immer mehr Wasser hatten, wollten wir eigentlich gar nicht mehr weiter. Da kann es uns sehr gelegen, dass die Kasbah Meteroites auftauchte, die auch Camping anbietet.

 

Schnell war der Entschluss gefasst dies es Quartier zu nutzen. Es war trocken, bot WLAN und man kochte uns für wenig Geld ein leckeres Abendessen. Im Gespräch mit dem Besitzer erfuhren wir, dass für den nächsten Tag noch mehr Wasser angesagt war – inschallah.

Tag 21 - noch mehr Wasser

 

Nach einer verregneten Nacht lichtete es sich am morgen ein bisschen. Ich nutzte die Gelegenheit und konsolidierte den Besitzer der Kasbah. Nach seiner Auskunft waren beide Wege bei Alnif nicht passierbar, aber der Weg Richtung Zagora bzw. auch nach Quazazate zurück offen.

 

Wir berieten kurz und fuhren nach Westen. In Tazzarine, wo die Wege nach Zagora und Quazazate sich trennten, folgten wir der Straße nach Norden, Richtung Quatazate.

 

An einer Furt, ein ähnliches Bild wie gestern. Nichts ging mehr.

 

Wir treffen Miguel, einen Spanier mit Alex, seinem italienischen Beifahrer im Dacia-Leihwagen, der uns gestern bereits an der Furt in Alnif gesehen hatte er meinte vor 10 Minuten wäre es zumindest für uns noch gegangen, aber jetzt keine Chance mehr. Miguel fährt in Spanien auch einen Defender und freut sich natürlich tierisch mit uns zusammen zu fahren ...

 

So wägten wir ab und entschlossen uns die Strasse Richtung Zagora zu nehmen, Miguel fährt voraus. Zurück in Tazzarine war die Brücke bereits leicht unter Wasser, kein Problem, aber 30 Minuten vorher war der Wasserspiegel noch 50 Zentimeter tiefer. Also über die Brücke und mit Vollgas Richtung Zagora. An der ersten Großen Furt wurden wir gestoppt. Kein durchkommen, viel tiefer als die bisherigen Furten. Dann hilft es nicht, zurück nach Alnif. Damit wir aber noch über die Brücke kommen und zumindest eine Unterkunft haben, ist Vollgas angesagt. Die Strassen sind sowieso leer. Als wir, etwas später als der Dacia, an der Brücke ankamen, ist diese bereits ziemlich unter Wasser, der Dacia hatte gerade zur Durchfahrt angesetzt. Wenn er es schaffen sollte, schaffen wir es locker. Er fuhr durch und wir hinterher. Alex zitterte danach am ganzen Körper.

 

Ich ging 2 Minuten später nochmals zurück und die Brücke war bereits fast einen Meter unter Wasser. Jetzt ging nichts mehr. Wir fuhren noch nach Alnif, dort war auch alles dicht. Am Ende des Tages saßen wir wieder in „unserer“ Kasbah. 4 Stunden Ausflug und doch wieder da.

Tag 22 - wo ist das ganze Waser hin?

 

Die ganze Nacht hatte es nicht geregnet und auch am Morgen war es zwar bewölkt aber trocken.

 

Wir versuchten wieder unser Glück, diesmal Richtung Alnif also Osten. Als wir an der Furt ankamen, die wir vorgestern nicht mehr gefahren sind, war dort helle Aufregung, die Polizei sperrte bereits ab.

 

Das Wasser war zurück gegangen und das Ausmaß des Schadens zu sehen. Es fehlten ca. 20 Meter der Fahrbahn. Genau das Stück das schon so komisch aussah, zwei Tage zuvor.

 

Von der Polizei erfuhren wir, der Weg nach Errachida, sei frei, also wieder nach Norden und dann in den Osten. Als wir an der Furt ankamen, die wir 2 Tage zuvor als letzte erfolgreich passiert haben, war auch dort das Wasser bereits zurückgegangen, aber nur für uns passierbar.

 

Ein LKW beladen mit Gasflaschen lag umgekippt seitlich im Qued. Er wurde anscheinend von der Furt gespült. Die Aufräumarbeiten waren bereits im Gang.

 

Die Weiterfahrt nach Errachida war ruhig und wir wollten das Wetter im Osten umfahren. Deshalb führte uns unsere Route wie bereits Tage zuvor nach Osten Richtung Boudnib. Ca. 10 km vor der Ortschaft fuhren wir nach Norden um nördlich in einem Ort zu campen. Diesen Campingplatz gab es nur leider nicht, also machten wir uns auf den Weg in eine Piste und übernachteten ein paar Kilometer weg von der Straße, sichtgeschützt hinter einem Hügel.

Tag 23 - auf Richtung Mittelmeer

 

Früh aufstehen. Um 2 Uhr in der Nacht fing es an zu regnen – Mist.

 

Wir hatten bei der Einfahrt in die Piste mehrere Queds durchfahren und standen auch auf sandigem Untergrund, beides nicht ideal wenn es wieder viel regnen sollte. Wir überlegten nicht lange, brachen unser Lager ab und fuhren in die Nacht hinein. Als wir an der Straße waren stellte sich die Frage, wieder schlafen zu gehen oder gleich weiterzufahren wo wir eh schon munter waren. Also fuhren wir weiter.

 

Einige Kilometer geteerte Straße – laut Karte. In einer Ortschaft folgten wir der „gelben“ Straße in der Michelin Karte. Diese „Straße“ entpuppte sich jedoch als Gebirgspiste der ganz feinen Art. Ausgewaschene Steilauffahrten, Queddurchfahrten in voller Verschränkung, kilometerweite Fahrt über sandigen Untergrund mit Grasbüscheln, wo wir im Dunkel immer wieder die Orientierung verloren.

 

Nach 4 Stunden waren wir fast im Tal, wir stellten die Autos ab um mal eine Stunde zu rasten. Nach viel zu kurzer Rast ging es die letzten paar Kilometer hinunter ins Tal und auf bestens geteerter Nationalstraße nach Norden nach Guercif, wo ein Campingplatz eingezeichnet war. Diesen gab es auch, er war jedoch geschlossen.

 

Wir hatten jetzt die Möglichkeit nach Westen Richtung Fes oder nach Norden Richtung Nador an die Mittelmeerküste zu fahren. Nador war näher und Fes kannten wir bereits, also auf nach Norden.

 

Am Weg nach Nador, wir waren auch etwas übermüdet, brauchte ich wieder mal etwas Austro-Pop in voller Lautstärke. Das tat richtig gut. Als wir die Küste westlich von Nador erreichten (in Nador gibt es keinen Campingplatz mehr) hielten wir Ausschau nach einem geeigneten Platz und fanden eine schöne, einsame Bucht, mit einem Weg, den nur wir fahren konnten. Perfekt.

 

Wir kochten gemütlich und warteten auf das Finster der Nacht. Super, wir machten die Dächer auf und wollten schlafen gehen. Da kommt eine Militärstreife. Das Spiel kannten wir ja bereits. Alles sehr höflich und bemüht, wir hatten unsere private Security. Dann aber das dicke Ende. Der Leutnant, dem der Umstand berichtet wurde, dass hier 2 Fahrzeuge campieren wollen, ließ uns über eine englischsprachige SMS über einen der Soldaten ausrichten, dass wir bitte hier nicht übernachten sollten, weil dieser Abschnitt zu gefährlich sei. Es kommt immer wieder vor, dass Schlepper versuchen über Strände wie diese Afrikaner nach Europa zu schleusen, außerdem seien solche Strände beliebt bei Drogenschmugglern mit gleichem Ziel.

 

Die Soldaten entschuldigten sich sogar dafür, dass sie uns die Nachricht bringen müssen. Macht nichts, wir sind ja heute eh erst ein paar hundert Kilometer gefahren, also weiter. An der nächsten Polizeikontrolle fragen wir den Polizisten wo wir am besten übernachten können, es gibt doch keinen Campingplatz weit und breit. Er zeigt uns einen möglichen Punkt auf der Landkarte ca. 20 km westlich. Also weiter. Dort angekommen, perfekter Platz, guter Geschmack Herr Wachmeister - Respekt.

 

Wir stehen keine 30 Sekunden, kommen 2 dunkle Gestalten auf uns zu. Militär. Bitte hier nicht stehen bleiben im Ort gibt es einen Campingplatz. Also die paar Kilometer schaffen wir auch noch. Weiter zum besagten Ort, bei der Polizei nachgefragt, bestätigt bekommen. Als wir da sind – Nichts. Ein Hotel in der Nähe, nein wir könnten nicht am Parkplatz stehen, dann aber noch einen Strand gefunden, direkt neben dem Militär.

 

Der war auch für die olivgrünen Landesverteidiger OK und wir ließen uns nach einem langen Tag in die Betten fallen.

 

Direkt hinter uns am Strand, keinen Kilometer vor der marokkanischen Küste ist eine vorgelagerte spanische Insel mit Vollbewachung, und die Marokkaner bewachen die Spanier, irre Welt.

Tag 24 - Rasttag am Mittelmeer

 

Ziemlich gerädert von den Vortagen wollten wir nicht weit fahren.

 

Nach Unseren Reiseunterlagen gab es einen Campingplatz keine 50 Kilometer westwärts. Also dort hin. Als wir dort ankommen – Idylle. Blaues Wasser, Campingplatz an einer Klippe, darunter Kiesstrand.

 

Bei Fischern besorgen Ines und Dundee noch einen Oktopus und eine Kalamar. Perfektes Abendessen ist also vorprogrammiert.

 

Einzig das WLAN fehlte um zuhause Bescheid zu geben, dass alles OK war. Deshalb blieb es bei einer Nacht, sonst wären wir länger geblieben. 

Tag 25 - Vom Mittelmeer zum Atlantik

 

Wir entschließen uns die Mittelmeerküste entlang zu fahren und auf Höhe Tetuan nach Westen an die Atlantikküste zu wechseln.

 

Dort sind mehrere Campingplätze eingezeichnet. Die Strecke war ruhig, auch wenn es durch Tetuan, eine Großstadt ging, vorbei an einem Stausee, einem idyllischen Tal mit Rinder und Pferdezucht  kamen wir an der Küste an.

 

Im lokalen Markt gut mit Lebensmitteln eingedeckt und weiter an den Campingplatz. Bis auf einen waren alle geschlossen, also war die Wahl sehr einfach. 

 

In der Nacht kam ziemlich Wind auf und ein Ast eines Olivenbaums klopfte immer wieder an unseren Zeltbalg. Um 2 Uhr morgens entschloss ich mich dann einen Meter nach vorne zu fahren, um dem ein Ende zu setzen.

 

Keine gute Idee wenn die Alarmanlage eingeschaltet ist ...

Tag 26 und 27 - Regen und Sturm

 

Nach eine stürmischen und regnerischen Nacht fuhren wir weiter nach Norden Richtung Tanger.

 

Der hier in Tanger eingezeichnete Campingplatz schien besser geeignet um die letzten Tage ruhig zu verbringen. Das Wetter würde sich bis zu unserem Abreisetag nicht verbessern, also fielen alle Besichtigungsmöglichkeiten ins Wasser.

 

Wir kauften im großen Einkaufszentrum Marjanne noch für die Fähre und die nächsten Tage ein und nisteten uns gemütlich am Campinglatz ein.

Tag 28 - auf die Fähre

 

Es geht nach Tanger Mediterrane, dem neuen Hafen im Osten von Tanger.

 

Von dort wird uns die Fähre über Barcelona nach Genua bringen.

 

Es ist wieder mal nicht so viel los und deshalb kommen wir, trotz mehrfacher Kontrolle und Checks durch Zoll und Security, relativ schnell auf die Fähre.

Tag 29 - immer noch auf der Fähre

 

Ein Tag auf See, wie es in den Broschüren für Kreuzfahrten gerne beschrieben wird.

 

Am Abend erfahren wir, dass wir etwa 12 Stunden länger in Barcelona liegen werden, da das Wetter am Weg nach Genua zu schlecht ist und die See zu rau.

 

Wir können, nach Nachfrage, aber auch nicht in Barcelona raus, das sei nicht möglich. Super, noch eine Verlängerung der Seereise bekommen.

 

Jetzt werden wir die Bordküche ausprobieren müssen. Auf das sind wir nicht vorbereitet. Schön langsam wird es mühselig.

Tag 30 - Heimfahrt

 

Heute Morgen konnten wir nach 63 Stunden auf der Fähre endlich in Genua anlegen. Die Einreise in Europa war in ein paar Minuten erledigt. Wir verabschiedeten uns von Dundee und Ines, unseren Mitreisenden, und fuhren die letzten 700km nach Hause. 

Fazit

 

Wir hatten wirklich eine super Zeit in Marokko und viel erlebt, waren mehr als 4000 km in dem afrikanischen Land unterwegs. Wir sind, gerade im Süden des Landes, fast ausschließlich auf einsamen, aber wunderschönen Pisten unterwegs gewesen.

 

Trotz vermeintlicher Hochsaison für 4x4 in dem Gebiet haben wir außer einer spanischen Motorradgruppe und ein paar einheimischen Nomaden, sowie LKWs, welche die Pisten nutzen, um zu den vielen Erzmienen zu gelangen, niemanden getroffen.

 

Die aktuell angespannte Lage in der arabischen Welt hat sich leider auch stark negativ auf den Tourismus in diesem wunderschönen Land ausgewirkt. Wir hatten uns stets sicher und herzlich willkommen gefühlt. Etwas egoistisch betrachtet, war dies für unser Vorhaben natürlich von Vorteil, da wir einfach unsere Ruhe hatten.

 

Vor unserer Abreise hatten uns einige, bereits Nordafrika erfahrene Freude, immer wieder auf die Distanzlosigkeit der Einheimischen, insbesondere der Kinder hingewiesen. Wir konnten das jedoch selbst nicht wirklich feststellen. Klar ist es interessant, wenn Touristen in abgelegenen Regionen vorbeikommen.

 

Kinder kamen immer angerannt, sobald sie uns sahen, Hirten standen oft am Pistenrand und wollten Sachen tauschen. Sie boten diverse Mineralien und Fossilien an, um diese gegen Kleidung bzw. Essen zu tauschen. Manche mögen das als aufdringlich empfinden, für uns war das aber kein Problem. Es gab nie Situationen in denen jemand forderte.

 

Einer der Gründe, warum wir reisen, ist es Menschen sowie deren Kultur und Lebensweisen kennen zu lernen, und da nicht nur die vergangene Kultur, die in Museen oder Ausgrabungen zu bewundern sind. Uns den Gegebenheiten und Bräuchen anzupassen ist damit für uns notwendig und selbstverständlich, damit wir als Reisende willkommen sind. Uns wurde sehr viel wahre Gastfreundschaft entgegengebracht und dass man diese erwidert versteht sich von selbst.

 

Ob diese unterschiedlichen Erfahrungen auf den Rückgang im Tourismus zurückzuführen sind? Wir wissen es leider nicht.

 

Wir hatten auch Warnungen im Vorfeld bekommen, wir sollten aufpassen, Polizei und Militär würden wie Wegelagerer auf Touristen warten um diese abzuzocken. Wir hatten genau das Gegenteil erfahren. Die relativ häufigen Polizeikontrollen vermittelten uns ein Gefühl der Sicherheit. Die Beamten waren jedoch immer extrem freundlich, winkten uns mit einem Lächeln durch, hielten oft mal den Verkehr auf, der Vorrang hatte, um uns passieren zu lassen. Wenn wir dann trotzdem aufgehalten wurden, dann ausschließlich um sich über unsere Route und unser Vorhaben zu erkundigen bzw. hatte ich oft das Gefühl, um etwas Englisch bzw. Französisch zu plaudern. Die Militärposten in den Grenzgebieten waren ebenfalls ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. „Sie werden heute unsere privaten Aufpasser sein“, war die fast einheitliche Aussage, wenn wir in der Nähe solcher mehr oder weniger abgelegener Posten übernachteten. Wenn dies nicht möglich war, wurden wir sehr freundlich darum gebeten, hier nicht zu übernachten, da sie nicht für unsere Sicherheit garantieren könnten. Sie zeigten uns dann aber auch gleich sichere Alternativen.

 

 

Der massive Regen im Süden, der uns in der 3. Woche unserer Reise lediglich zu einer Ruhepause zwang, hatte für die Menschen, die in dieser Region leben, teils verheerende Folgen. Neben der Zerstörung von Fahrzeugen, Brücken und Häusern und der Überflutung von gerade erst gepflanzten Feldern, sind leider auch der Verlust von Menschenleben zu beklagen. Es ist jedoch erstaunlich mit wie viel Gelassenheit selbst solchen Katastrophen begegnet wird. Es wird schon wieder besser werden – Inschallah.

 

 

Die Schäden an unseren Fahrzeugen hielten sich sehr in Grenzen. Dundee hat sich in den Dünen den Auspuff abgefahren, war wir jedoch 2 Tage später problemlos repariert bekamen. Sonst hatten wir keine gröberen Probleme mit unseren Fahrzeugen, die sich sowohl als sehr robust, als auch als ausgesprochen heimelig erwiesen haben. Beides benötigten wir diesmal mehr als bei unseren bisherigen Reisen.

 

 

Sehr positiv fand ich die Zusammenstellung unserer Reisegemeinschaft. Wir hatten unsere Gaudi. Da wir eine sehr ähnliche Art zu reisen haben, verstanden wir uns auf anhieb. Dundee, den wir ausschließlich von Land Rover-Treffen kannten und Ines, die wir davor gar nicht kannten, erwiesen sich als super nette Gefährten und als Freunde.